Kontinuierliche Infos aus der Ukraine gibt es bei wideawakefamily.com im Blog von Kim - direkt aus Zytomir

Montag, 7. März 2022

Flucht II

 Hallo Ihr Lieben alle,

 nachdem ich angefangen habe, zu berichten, wollte ich euch hiermit anschließen, was aktuell passiert.

Die "Boys" und ihre Betreuer befinden sich im Moment in Ungarn auf dem Weg nach Kaufbeuren. Jed sagt, es gehe ihnen gut. Sie haben am Sonntag (nach Übernachtung in einer Kirche) zu Fuß die Grenze nach Rumänien überquert. 

 Jed mit family konnte mit den Autos dort die Ukraine nicht verlassen und steht im Moment 2 km vor der polnischen Grenze. 2 km, das sind noch ca. 5 h Wartezeit. In 5 h ist Andreas (ein Freund von uns aus dem Erzgebirge) hoffentlich mit einer Gruppe von Fahrern dort.  Sie werden die Fahrer, die dann fast 80 h am Steuer saßen, ablösen und die ganze Gruppe nach Krakau zu einer Übernachtungsmöglichkeit bringen. Von dort gehts dann weiter nach Westen.

 Ich hab mir gedacht, ein Zwischenstand ist ganz hilfreich und melde mich wieder, wenn etwas Neues passiert oder alle gesund und glücklich im Allgäu angekommen sind.

Liebe Grüße
Matthias

Samstag, 5. März 2022

Flucht

Hallo ihr Lieben alle,

 ich hab mich gefragt, was ich in der momentanen Situation machen kann - und das Einzige, was mir neben dem Beten noch eingefallen ist, ist: Netzwerke aktivieren und informieren. In den Jahren seit meinem letzten Rundbrief ist in der Ukraine etwas wirklich Besonders gewachsen.  (vgl. wideawakeinternational.org) Wir waren immer im Kontakt - von Familie zu Familie. - Als Freunde zusammen unterwegs. Aus einem idealistischen Projekt wurde der (immer wieder anstrengende, immer wieder wunderschöne und insgesamt aber auch ganz gewöhnliche) Alltag einer bunten, inklusiven und total genialen Community.

 Dieser Alltag hat sich in den letzten Tagen verändert und droht im Moment zu zerbrechen.

Jed ist mit seinen Family, den Jungs und einigen aufgelesenen Freunden (oder auch nur deren Kinder) im Moment auf der Flucht. - Sie haben alles, was sie in den letzten Jahren aufgebaut haben zurückgelassen um auf die Straße zu gehen. 45 Menschen auf der Flucht vor einer anrückenden Armee und vor allem auch der beginnenden humanitären Katastrophe, die dieser Krieg bedeutet.

 Bis jetzt waren sie geblieben, wollten standhalten, durchhalten, mit ihren Freunden sein, Beispiel geben, das sein, was wir als Christen sein sollen: ein Licht in der Dunkelheit. Aber die Lage droht einfach vollends zu kippen. Es scheint so zu sein, dass Putin zunehmend gnadenlos gegen die gesamte Zivilbevölkerung vorgeht. Auch das Dorf wenige Kilometer westlich von Shytomyr ist nicht länger sicher.

Das Ziel ihrer Reise ist Rumänien und die Partnergemeinde aus dem Allgäu holt sie dort ab und bringt sie nach Kaufbeuren zu Humedika. Dort verfügt Humedika über ein dichtes Netzwerke und eine starke Infrastruktur. Bereits in den letzten Wochen war Jed im Austausch. Was gerade geschieht ist vorher x-mal gedacht und lange geplant. - Aber es ist unvorstellbar schwer.

 Deswegen schreibe ich euch. In so einer Situation muss man einfach zusammenstehen, beten. Beten, dass die Flucht gelingt, die "Jungs" ruhig und steuerbar bleiben, sie Sicherheit und Hilfe finden auf dem Weg, selber Kraft und Geduld nicht verlieren...

 ...

 Falls ihr nähere Infos wollt (natürlich alle in englisch) müsst ihr nur wideawakeinternational.org googeln. Kim und Jed haben seit Beginn des Krieges jeden Tag ein Video auf youtube gepostet, das auch mit "geringeren" Englischkenntnissen sehenswert ist. (Untertitel einschalten hilft auch ein Bisschen).

 Und sonst: Wir haben noch unser altes Spendenkonto bei der EmK in Entringen. Ich weiß nicht, wie es mit Wideawake weitergeht, bin mir aber sicher, dass es auf jeden Fall Geld kostet. Für die Verwendung der dort eingehenden Gelder bin ich dem Gemeindevorstand gegenüber verantwortlich. Die Kirche kann Spendenbescheinigungen ausstellen. Humedika sammelt natürlich auch :) - und falls ich persönlich noch was  unternehmen sollte, werde ich sicher mit deren Geld und in deren Auftrag unterwegs sein. 

Liebe Grüße
Matthias

 

Mittwoch, 8. Mai 2019

Hausbau (Fts. von 'Elias ist wieder unterwegs')

In Shytomir hat der Hausbau der ersten Doppelhäuser angefangen. - Es  hat wirklich etwas vom Bau einer Arche, wenn man den Arbeitern zusieht, wie sie ohne Maschinen die Streifenfundamente ausheben und anfangen, Bretter für die Schalungen zusammen zu zimmern....


Und am "alten Haus" stand - als wir uns Ende letzter Woche wieder auf den Heimweg gemacht haben - zumindest der Rohbau.


Mit einer kleinen Gruppe aus Handwerkern waren wir einige Tage dort, haben gebaut und gebaut und gebaut; viele Stunden am Tag und immer wieder bis tief in die Nacht Aber es hat sich gelohnt.


"Livingroomextension" habe ich das Projekt genannt. Der Versuch, die Lage in einem etwas überfüllten Haus durch mehr Freiraum etwas zu entspannen, Lebensraum und Rückzugsräume zu schaffen.

Heute sind die Fenster eingebaut und die Wand ins alte Wohnzimmer durchgebrochen worden. - Es wird schön.

Jed möchte für seine Familie und für seine Jungs Heim schaffen, ein Heim, in das man auch andere einladen kann. Dafür war definitiv inzwischen zu wenig Platz. 11 Menschen auf vielleicht 100 qm...



... bald sind es bestimmt 140 qm  :)

Samstag, 27. April 2019

Elias ist wieder unterwegs

Elias sitzt heute Morgen im Zug auf dem Weg zum Flughafen.

Er ist nicht allein. Sein Bruder Josias fährt mit ihm Sie sind auf dem Weg nach Shytomir um dort (an) zu bauen und haben eine Menge Werkzeug im Koffer.

ein Schreiner packt ein

Das Haus von Familie Johnson ist im letzten Jahr reichlich eng geworden. Elias fährt also dieses Mal wirklich hin um als Zimmermann zu arbeiten. Josias ist Schreiner von Beruf - und bald fertig mit seinem Master in Architektur...
Originalzustand (März)

Vorbereitungen


Zeichnung (Bauherr :)
Zeichnung (Architekt :)

In den letzten Monaten gingen viele whatsapp-Nachrichten hin und her. Oft auch mit interessanten Bildern.

Architektenfragen

1 von 100 Zeichnungen (Architekt)

Anfang April sind dann die ersten Erdarbeiten angelaufen. (vgl.: https://www.facebook.com/HeartsWideAwake/) Vieles ist vorbereitet, manches Material eingekauft...

Fundamente

Außenwände oder Boden oder beides?

(Fortsetzung folgt)



Sonntag, 18. November 2018

Elias is back :)

Die drei Monate hier sind sehr schnell vorbei gegangen und ich habe viel gelernt.
Zum einen hat sich in den drei Monate (laut Jed’s Familie) mein Englisch deutlich verbessert aber vor allem, habe ich gemerkt, dass sich mein Denken und Verhalten gegenüber den Jungs  sehr deutlich verändert hat. 
Obwohl ich die meiste Zeit in der Werkstatt war und nicht den ganzen Tag mit den Jungs zusammen gearbeitet habe, habe ich die anfängliche „Angst“ oder das Unbehagen gegen über ihnen sehr schnell komplett verloren.


Es ist einfach total normal geworden mit ihnen zusammen zu leben.

Alles in allen hatte ich ein großartige Zeit hier und bin mit ziemlich sicher, dass ich nicht das letzte Mal hier war. 

Montag, 12. November 2018

Ukrainetagebuch III


Eigentlich hat sich seit dem letzten Mal bei mir nicht viel getan. Ich arbeite wie gehabt, jeden Tag bei Jed in der Werkstatt oder helfe die Kirche zu renovieren. 



Anders sieht es bei Anton und Ruslan aus. Die zwei haben sich deutlich verändert in der letzten Zeit. 
Anton, der am Anfang kein einziges Wort gesprochen hat fängt langsam an immer mehr zu „reden“ und vor sich hin zu brabbeln. Außerdem ist sein Essverhalten schon deutlich besser geworden, obwohl er immer noch, mit großem Abstand als erstes seinen Teller leer gegessen hat. Andererseits sind seine Nächte nicht wirklich besser geworden, da er weiter hin Probleme hat, eine Nacht komplett durch zu schlafen. 

Bei Ruslan dagegen, ist mir jetzt erst richtig klar geworden, wie schlimm es auch für ihn in Romaniv war. Er ist in letzter Zeit öfters voller Panik in Tränen ausgebrochen und hat minutenlang einfach nur geweint, weil er Angst hatte zurück nach Romaniv zu müssen. 
Davon abgesehen, hat er die meiste Zeit gute Laune und ist eigentlich immer für einen Spaß zu haben. Besonderer witzig ist es ihm dabei zuzusehen, wie er am Fenster steht und auf seine ganz eigene Art und Weise zur Musik tanzt. 

Sonntag, 21. Oktober 2018

So eine Art Ukrainetagebuch von Elias - Teil II

Es hieß ich soll mich mal wieder melden. Also versuche ich mal zu erzählen, was hier in Shytomir in den letzten zwei Monaten so vor sich gegangen ist…

Seit dem letzten Mal haben Jed und Kim zwei neue Jungs aus Romaniv zu sich in ihre Familie aufgenommen. Ruslan und Anton sind Anfang 30 und beide wohnten über 20 Jahre lang in Romaniv. Wir versuchen Ihnen zu zeigen, dass sie in der Familie sicher sind und geliebt werden.

Besonders Anton merkt man die schlimmen Nachwirkungen von der Zeit in Romaniv an. Er hat große Probleme zu schlafen und hat einfach Angst davor, die Augen zu schließen. Außerdem hat er die Angewohnheit sein Essen zu beschützen und es so schnell wie möglich in sich hinein zu stopfen bevor es geklaut werden könnte.

Ruslan ist ein echt netter, wirklich hilfsbereiter und auch echt gescheiter kleiner Mann. Gerade bei ihm macht es mich echt traurig, dass er 20 Jahre lang nur rumgesessen ist und nichts machen durfte. Hier in der Familie versuchen Jed und ich, die zwei bei der Arbeit in der Werkstatt mit einzubeziehen. Das arbeiten mit den Schleifmaschinen und Stechbeiteln macht den zwei sichtlich einen Riesenspaß.

Da die Jungs noch nie das Meer oder überhaupt wirklich etwas von der Welt gesehen haben, hat Jed für sie eine Reise an das Schwarze Meer geplant. Dort waren wir für drei wirklich tolle Tage und hatte ´ne Menge Spaß am Strand und im kalten Wasser.


Jetzt aber mal genug von den Jungs. Wenn Ihr Interesse habt, mehr und regelmäßig über die Jungs und überhaupt das Leben hier informiert zu werden, dann schaut auf Instagram oder Facebook auf der Seite von Kim vorbei , die postet regelmäßig Bilder und Videos. (https://instagram.com/wide_awake_international?utm_source=ig_profile_share&igshid=1875cj3kv6q0c)


Nach der kurzen Werbepause will ich jetzt mal noch was von mir erzählen. Wie gehabt wohne ich noch in der WG mit den Jungs zusammen, arbeite jeden Tag in der Werkstatt und baue – da der Bau des nächsten Hauses erst im Frühjahr startet - Möbel und andere eher kleine Sachen. Vor zwei Wochen bin ich mit drei Freunden von hier einen Tag nach Kiev gefahren und habe die echt schöne Hauptstadt der Ukraine angeschaut.

Das Projekt in der Kirche ist inzwischen auch weit vorgeschritten. Mittlerweile ist die große Bühne mit Licht und Ton ausgestattet und der Saal wurde komplett neu gestrichen. Mein Job liegt aber zwei Stockwerke darunter. Hier sollen drei Zimmer renoviert werden, um dort der Sonntagsschule und anderen Gruppen von der Gemeinde einen Ort zum zusammensitzen und spielen zu geben. Bisher habe ich dort eine kleine Bühne gebaut. Außerdem sind Jed und ich daran eine Bank zu planen die an den Fenstern entlangläuft, so dass man in den Fenstern sitzen kann.

Am Freitag war ich dann selber das erste mal in Romaniv. Ich begleitete Kim und drei der Freiwilligen aus der Gemeinde. Obwohl ich ´n bissel was von Matthias und auch den Leuten hier über die Anstalt gehört hatte, war ich teilweise echt geschockt, wie dort mit den Kindern und jungen Männern umgegangen wird. Die Zustände dort sind wirklich mehr als erschreckend und einfach nur schlimm. Nach dem Besuch dort kann ich nun das Verhalten von Anton viel besser verstehen und nachvollziehen warum er ist wie er gerade ist nachdem er 20 Jahre dort gelebt hat...

Dienstag, 11. September 2018

So eine Art Ukrainetagebuch von Elias – Teil I

Ich bin jetzt seit ca. 2 Wochen in der Ukraine und habe mich ganz gut eingelebt. Ich bin hier, um Jed (den Freund von Matthias) bei seinem Projekt zu unterstützen. Meine Hauptaufgabe besteht darin, aus sehr alten und großen Eichenbalken Möbel herzustellen. Diese Möbel werden dann zum einen in dem Haus von Jed gebraucht und zum anderen sollen sie verkauft werden, um Geld für das Bauprojekt zu bekommen.

Außerdem sind wir dabei die neuen Kirchenräume von der Gemeinde von Jed zu renovieren und umzubauen die vor im August in ein „neues Gebäude“ umgezogen sind.

Erst letzte Woche, bin ich zu drei Jungs aus der Gemeinde, in die WG mit eingezogen mit denen ich mich sehr gut verstehe.

Sonntag, 2. September 2018

Sommer 2018 - Es ist viel passiert


Zuerst waren im Mai wieder mal eine Gruppe von 'Lehrern' in Romaniv zum Schulungseinsatz. -
Walter mit Boris
Wir haben das im Juni anhand eines Grillfestes reflektiert und besprochen, wie es weiter gehen soll.

Denn:
Es wird weitergehen! - Die Gruppe plant schon ihre nächste Reise im Mai nächstes Jahr.

Aber dann wurden wir zum ersten Mal Oma und Opa.

Dann war ich in Indonesien und kurz darauf hat Josias geheiratet.

Zwei Tage später sind wir zum Familienurlaub nach Shytomyr gefahren. Es war eine ziemlich geniale Idee, mit dem Auto einfach nach Osten zu fahren und Jed mit seiner ganzen Familie zu besuchen.
Lviv ist eine Reise wert!

Elias ist dort geblieben zum mitarbeiten.

Dann wurden wir noch einmal Oma und Opa; und der Urlaub war vorbei.

Irgendwie fehlt mir die Zeit, zu erzählen. Aber Kim schreibt zum Glück sehr viel...
Die meiste Öffentlichkeitsarbeit von Wideawake läuft tatsächlich bei Facebook!



Samstag, 12. Mai 2018

April 2018

Boris durfte mit Jed viele Kilometer Bus fahren. Sie haben uns besucht.


Wir haben das sehr genossen. - Gemeinsam mit Jed hat er den neuen Bus in Deutschland abgeholt.



Sonntag, 25. März 2018

Good News

a. Gestern Abend war die Vorbesprechung für den nächsten 'Schulungstrip'

ich war nicht dabei - deswegen gibts kein Bild :(

b. Auch gestern hat Andreas einen Bus besichtigt, den er in den letzten Tagen ausgesucht hat... - Der kann Rollstühle transportieren und wäre so was von cool für Romaniv.

Mal sehen - eigentlich hatten wir ja 'nur' einen Umbau geplant damit Jed endlich offiziell und sicher auch Rollis (bzw. ihre 'Besitzer') transportieren kann



c. Boris wird heute 26 - und er hat eine Familie, die mit ihm feiert


Dienstag, 23. Januar 2018

The Path of Healing (Schlußteil) - ein anstrengender Alltag voller Routine und Liebe

Der praktischen Alltag mit Boris folgt einem immer gleichen Muster konsequenter Routine, jeder Menge sensorische Integration, Grenzen, kreativer und guter altmodischer Erziehung.
Wen Boris sich selber schlägt, weil er etwas nicht bekommt, was er möchte, dann muss er seinen Körper beruhigen. Wenn er dann ruhiger ist, dann bekommt er das, was er will. Das bedeutet, dass wir immer und immer wieder die ruhige Präsenz um ihn herum aufrechterhalten müssen. Das kann bedeuten, beim Essen für drei Minuten den Tisch zu verlassen. Das kann bedeuten sich 30 Minuten Zeit zu nehmen, das Haus zu verlassen und spazieren zu gehen.  
Boris wird es lernen, im Laufe der Zeit wird sich Vertrauen aufbauen, neue Verknüpfungen im Gehirn werden entstehen und mehr Verständnis wird wachsen.
Wenn ich mich für Empathie entscheide, wenn ich mich daran erinnere, woher Boris kommt und was er alles ertragen hat, wenn ich meinem Herzen erlaube immer und immer wieder zu brechen anstatt angesichts von Eintönigkeit und Frustration zu verhärten, dann kann Heilung entstehen.
Und wenn man Herz offen dafür ist, selber zu heilen, dann kann ich ein Werkzeug der Heilung für meinen lieben Freund sein
So ist unser Freund eine Herausforderung für uns. Und er ist ein Segen in einer Art und Weise, die wir nicht vorhersehen konnten. Mögen unsere Herzen offen bleiben und mögen die hart gewordenen Teile wieder weich werden. Möge jeder von uns die geliebten Menschen in unserem Leben als die wunderbaren Schätze sehen, die sie sind - würdig unserer Zeit, unserer Liebe, unseres Opfers und unserer Hingabe.

BeLOVE[d] (Seid Liebe/ geliebt)